Jesus oder Jeschua


Von Peter Shirokov


Für diejenigen, die mit den originalen Sprachen der Bibel weniger vertraut sind, kommt mit dem Namen des Messias ein wahres Durcheinander auf. Beim Lesen der Bibel oder christlicher Literatur, sieht man den Namen „Jesus Christus“. Wenn man aus messianischen Quellen liest, trifft man auf den Namen „Jeschua ha-Maschiach“. Warum diese zwei Namen? Und welcher von ihnen ist der wahre Name des Messias? Die Antwort ist sehr einfach. Beide Namen sind wahr. Jesus ist das griechische Äquivalent des hebräischen Namens Jeschua. Die Griechen, anders als die Juden, haben keinen Buchstaben „sch“, weshalb der Name sich bei seiner Übersetzung veränderte. Christus ist ebenfalls das griechische Äquivalent des ha-Maschiach, was aus dem Hebräischen übersetzt „der Gesalbte“ bedeutet. Die deutsche Sprache übernahm diese Namen entsprechend aus dem Griechischen, und zwar genau in dieser Form, da das Neue Testament auf Griechisch geschrieben war.

Wenn Jeschua ein Jude war, warum hatte er dann einen griechischen Namen? Zu seinen Lebenszeiten wurde er wohl von kaum jemandem auf Griechisch, also Jesus, genannt. Vor allen Dingen war Jeschua kein ungewöhnlicher Name, sondern im Gegenteil bei den damaligen Juden sehr populär. Namensstatistisch gesehen, wird man heutzutage wohl kaum einen Jungen mit dem Namen Jesus finden, wohingegen die Juden des ersten Jahrhunderts ihre Söhne ohne jegliche Bedenken Jeschua genannt haben.

In der Literatur existiert das Werk „Toldot Jeschu“ -nicht vor dem fünften Jahrhundert verfasst-, in dem Jeschua unter dem Namen Jeschu angeführt wird, wobei unter Jeschu der selbe Jesus anzunehmen ist, über den die Evangelien sprechen. Jeder gebildete Mensch versteht natürlich, dass ein Werk, welches fünf Jahrhunderte nach den evangelistischen Geschehnissen verfasst wurde, nicht als historisch bewertet werden kann. Diejenigen, die mit dessen Inhalt vertraut sind, wissen, dass der Protagonist dort in einem weniger schmeichelhaften Licht dargestellt wird. Folglich ist dieses Werk eher als Märchen oder lediglich als polemische Phantasie anzunehmen.

Manchmal wird Jesus von den heutigen Juden, wie in dem soeben angeführtem Werk, Jeschu genannt. Aber in diesem Namen, Jeschu, ist der letzte Buchstabe „ain“ beabsichtigt abwesend. Er repräsentiert nämlich nicht seinen Namen, sondern ein unvollständiges Wort, welches eine Abkürzung des ausgedachten Satzes „Ijmach schmo vesichrono“ ist und folgendermaßen übersetzt wird: „Sein Name und die Erinnerung an ihn sollen ausgelöscht werden“. Einige sprechen seinen Namen beabsichtigt auf diese Weise aus, andere tun es aus Unwissenheit und ohne Absicht, die Gläubigen an Jeschua zu beleidigen.

Natürlich erklärt sich das Durcheinander der Namen auch dadurch, dass Griechisch im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechung, als Jeschua unter den Menschen weilte, eine internationale Sprache war. Da Israel eins der von den Römern eroberten Territorien darstellte, wurde Griechisch auch dort zur offiziellen Staatssprache. Zu der Zeit beherrschten die Juden, insbesondere diejenigen, die außerhalb von Israel lebten, die hebräische Sprache nur noch dürftig, da alle Lebensebenen dem hellenistischen Einfluss unterlagen. Hebräisch wurde nur noch in den Synagogen während des Gottesdienstes und im Tempel gesprochen, wobei es in der Synagoge immer einen Übersetzer gab, der die klassische Sprache beherrschte, um beim fehlerfreien Deuten des Gelesenen helfen zu können.

Zuhause jedoch wurde meistens weder die griechische Sprache, noch die hebräische sondern Aramäisch gesprochen. Die aramäische Sprache war bei den östlichen Völkern sehr populär und wurde im täglichen Leben frei benutzt. Doch Griechisch blieb die offizielle Staatssprache, weshalb das jüdische Volk schon einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung anfing, das klassische Hebräisch zu verlernen. Und aus diesem Grund wurde in Alexandria (Ägypten) der Tanach in die griechische Sprache übersetzt. Diese Übersetzung, genannt „Septuaginta“, diente ebenfalls der missionarischen Tätigkeit der Juden inmitten der griechischsprechenden Menschen. Ihre Erscheinung wurde von den geistlichen Juden fast wie ein von Gott inspiriertes Werk angesehen.

Einige zweifeln daran, dass das jüdische Volk die hebräische Sprache im ersten Jahrhundert unserer Zeit praktisch verloren hat. Für Skeptiker existieren die Zeugnisse der Geschichte. Die berühmten Bücher der Makkabäer, deren Geschichten ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung geschahen und die kurz darauf erschienen, wurden in griechischer und nicht in hebräischer Sprache aufgeschrieben. Aus demselben Grund wurden die Bücher der Brit Hadascha (des Neuen Testaments) im ersten Jahrhundert auf griechisch verfasst, nämlich damit so viele Menschen wie möglich sie lesen und verstehen konnten. Als die Bücher der Brit Hadascha nun aus dem Griechischen ins Russische übersetzt wurden, wurde der Name des Messias entsprechend seinem Klang in der griechischen Sprache übersetzt. So kam der nicht-jüdisch klingende Name Jesus Christus zu uns.

Doch warum beharren die messianischen Gläubigen auf Jeschua und nennen den Messias bei seinem hebräischen Namen? Aus dem einfachen Grund, dass Jeschua der Name ist, den die dem Herrn nahestehenden Menschen benutzt haben. Jeschua war sein wirklicher Name. Außerdem besitzt dieser Name im Hebräischen einen besonderen Sinn: Jeschua bedeutet „Gott befreit/Errettung“. Sein Name beinhaltet das ganze Ziel des Lebens und des Wiederkommens unseres Messias, was aber nur im Hebräischen deutlich wird, während diese Bedeutung in anderen Sprachen verwischt und verloren geht. Deshalb bevorzugen wir dem Namen „Christus“ Maschiach oder Messias, denn das ist ein hebräischer Begriff, der ins Griechische verlegt wurde und „der Gesalbte“ bedeutet. Wenn ein Mensch, der die hebräische Sprache kennt, diese Namen hört, werden keine Erklärungen benötigt. Wenn ein Mensch die Schriften liest und dieselben Namen auch in alten Texten sieht, kommt er, in Verbindung mit dem, was er aus den Büchern der Brit Hadascha weiß, zu deren tieferem Verständnis.

Alles hier Dargelegte führt uns zu der Schlussfolgerung, dass es angebrachter ist, da er der den jüdischen Propheten versprochene und tatsächlich zum Volk Israel gekommene Messias ist, ihn mit seinem jüdischen Namen, also Jeschua, zu nennen.



 

 

 






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